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Marianne Gielen
Deutschland




Marianne Gielen, lives in Potsdam and Berlin.


Biographie


1962 - 1968 Studium der Rechtswissenschaften in Berlin und München
1984 - 1990 Studium der Malerei u. a. an der Hochschule der Künste, Berlin
1997 - 2000 Studium "Kunst im Kontext" an der Universität der Künste, Berlin
2001 Atelierstipendium VCCA (Virginia Center for the Creative Arts)
2002 Atelierstipendium Yamaguchi-ken, Beppu Shuhochu, Japan
Atelierstipendium Künstlerhaus Cuxhaven, Deutschland
2003/2004 Atelierstipendium Internationale Akademie Marmaris (IAM), Türkei
2004/2005 Atelierstipendium Sanskriti Foundation New Delhi, Indien
2005 1. jurierte Brandenburgische Künstlermesse,
ART Brandenburg, Caligarihalle, Filmstudio Babelsberg
2006 Deutsch-Indisches Projekt ArtLink I in Berlin und Potsdam
Atelierstipendium "The Julia and David White Artist's
Colony", Costa Rica, Mittelamerika
2007 Indisch-Deutsches Projekt ArtLink II in Calcutta, Indien
2. jurierte Brandenburgische Künstlermesse,
ART Brandenburg, Schiffbauergasse, Potsdam
Marianne Gielen lebt und arbeitet in Berlin und Potsdam
Vorstandsmitglied des Berufsverbandes Brandenburg BVBK
(seit 2007 erste Vorsitzende)


Über meine Arbeit


Es ist immer schwer, über die eigene Kunst zu sprechen. Schon für sich selbst den Begriff Kunst in Anspruch zu nehmen fällt heute schwerer, als dies noch im 19. Jahrhundert selbstverständlich war. Ich halte mich daher eher an die Nüchternheit, wie sie Bertold Brecht zum Ausdruck gebracht hat. Dieser hat sich niemals als Dichter bezeichnet, sondern als Stückeschreiber. In diesem Sinne kann ich von mir als Produzent oder Hersteller von bildender Kunst sprechen.


Die Ausgangsposition, mit der ich an ein neues Bild oder eine Plastik oder Installation herangehe, ist eine zweifache:


1.
Meine grundsätzliche Einstellung hierzu entspricht der Betrachtung der Welt und des täglichen Lebens wie ich sie sehe. Diese Betrachtung ist von zwei Erkenntnissen und Zielsetzungen geprägt:


Einerseits stelle ich fest, dass die menschliche Gesellschaft und damit auch meine ganz persönliche Existenz heute von einer starken Spannung in der Weise geprägt ist, dass der Einzelne in der Familie und Gesellschaft nicht mehr den Halt findet, den er sich vielleicht vorgestellt hat. Damit einher geht ein Rückgang der gegenseitigen Toleranz und Rücksichtnahme in unserer Gesellschaft, die ich teilweise als beunruhigend empfinde; andererseits wird diese Erkenntnis auch immer wieder durch persönliche mitmenschliche Erlebnisse positiv in Frage gestellt, so dass ich mich hier in einem ständigen Spannungsverhältnis bewege, das auch auf die ganz konkrete Mal- und Herstellungsweise Auswirkungen hat.


Weiterhin empfinde ich heute sehr viel stärker als noch vor 10 oder 15 Jahren die Beeinträchtigung, um nicht zu sagen Bedrohung, durch eine gefährdete Umwelt und die teilweise geradezu unglaubliche Ignoranz der Menschen gegenüber ihrem eigenen Lebensraum. Auch hier befinde ich mich in einem ständigen Spannungsfeld, da ich auch selbst keineswegs immer nach den entsprechenden Kriterien handle und lebe. Auch dies fließt in meine Arbeiten ein, ohne dass mir dies allerdings in der praktischen Ausführung bewusst ist. Manches entdecke ich in meinen Arbeiten erst, wenn ich sie vor Augen habe.


Ein weiterer starker Einfluss auf meine Einstellung, und damit auch auf die Sichtweise, ist die persönliche Situation durch eine lebensbedrohende Krankheit, die ich vor einigen Jahren durchgemacht habe und die mich in existenzieller Weise auch heute beschäftigt. Sie ist mir Ansporn und Belastung zugleich.


2.
Die konkrete Vorgehensweise meiner Arbeiten ist ebenso stark von äußeren Eindrücken und Einflüssen geprägt wie von inneren Einfällen, die wiederum entweder auf solche äußeren Eindrücke zurückzuführen sind oder aber ganz spontan und eigenständig als Ideen heranreifen. Häufig spielt die Neugier eine Rolle, z. B. ein neues Material auszuprobieren, eine neue Technik oder eine andere ästhetische Betrachtung.Überhaupt sind ästhetische und kompositorische Überlegungen immer dabei wenn ein Produkt entstehen soll. Überwiegt zu Beginn einer Arbeit eher ein spontanes Element, so wirken sich ästhetische Kategorien im weiteren Fortschreiten stärker aus.


Trotz dieser Ausführungen muss ich gestehen, dass häufig der Herstellungsprozess anders verläuft, was ich nicht leicht in Worte fassen kann. Unternehme ich zum Beispiel eine Reise, so fängt die Durchdringung des eigentlich ja noch Unbekannten häufig schon viel früher an, wenn also die Phantasie bereits einen Eindruck vorwegnimmt, der real noch gar nicht entstanden ist. Umgekehrt kann es aber vorkommen, dass ich auf einer solchen Reise selbst die Eindrücke nicht unmittelbar umsetze, sondern ganz unabhängig hiervon zu Werke gehe, und zwar nicht, weil ich keine prägenden Eindrücke gewonnen habe, sondern weil ich trotzdem in diesem Zeitpunkt andere Vorstellungen verwirklichen möchte. In diesen Fällen erlebe ich es häufiger, dass ich erst später auf solche Einflüsse zurückkomme, seien sie farblicher und struktureller Art, seien es soziale und gesellschaftliche, seien es auch ganz konkrete Erlebnisse.


Diese Komplexität insgesamt macht es mir daher immer wieder schwer, über Ausdruck, Inhalt und Bedeutung eigener Arbeiten zu sprechen. Ich bin deshalb schon häufiger bei Ausstellungseröffnungen höchst erstaunt, aber auch sehr beglückt gewesen über Betrachtungs- und Herangehensweise kompetenter Menschen, die sich mit meinen Arbeiten beschäftigt haben und sich hierzu äußern. Dies gilt im Übrigen gleichermaßen auch für Menschen, die sich zu meinen Arbeiten äußern, ohne irgendeinen näheren Bezug zur Kunst zu haben. Auch hieraus gewinne ich durchaus neue Erkenntnisse über meine eigene Arbeit.


Abschließend möchte ich noch auf einen Gesichtspunkt hinweisen, der mir gerade im Vergleich zu den Arbeiten von anderen mir auch persönlich bekannten Künstlern immer wieder deutlich wird. Offensichtlich drückt sich in meinen Arbeiten auch, ohne dass ich überhaupt weiß, wie dies geschieht, mein eigener Charakter, mein Temperament und meine Wesensart aus. Dies kann ich wie gesagt nur im Vergleich zu Arbeiten anderer wirklich festmachen, deren individuelle Wesensart, soweit ich sie kenne, ich durchaus in deren Arbeiten wieder finde und gleichzeitig feststelle, dass meine Arbeiten sich wiederum hiervon deutlich unterscheiden.


Marianne Gielen

Berlin, April 2004